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140 Zeichen sind smart

>> Bitte schreiben Sie keine langen E-Mails, alles über 2 Zeilen lese ich nicht. <<

Das ist die Ansage eines Kunden. Ich wundere mich schon längere Zeit darüber, dass meine überlegt und präzise formulierten Nachrichten anscheinend überhaupt nicht, oder nur „angelesen“ werden. Viele dieser Nachrichten führen nur dazu, dass der Empfänger anruft und um „nochmalige Erklärung“ bittet. Es sind nicht etwa Werbebotschaften, oder biblische Texte, mit denen ich die Welt verbessern will. Es sind Antworten auf mir gestellte technische Fragen, also Support.

Dann halt anders, dachte ich mir und habe kurz geantwortet: Ja, Nein, Geht, Geht nicht, Geht aber kostet… Die Reaktionen waren dann so -> Antwort: Warum? Also habe ich wieder angefangen zu schreiben, eben warum. Reaktion -> Anruf: Erklären Sie das noch mal.

Ja bin ich denn im Irrenhaus?

Das IT lästig ist, keine Spaß macht und EDV-Leute per se „Arschloch“ auf dem Hirn stehen haben, daran habe ich mich in 30 Jahren gewöhnt. Aber wann, wie und warum ist denn die menschliche Verblödung passiert, dass man nur noch im Stande ist 180 Zeichen zu lesen. Kein Sachverhalt ist so „smart oder simpel“, dass man ihn mit 2 Sätzen erklären könnte. Außer vielleicht die Tatsache, dass man sch… und sterben muss.  Ohne Zweifel ist es eine hohe Kunst, komplexe Zusammenhänge so einfach und gut zu erklären, dass es auch ein „Nichtfachmann“ versteht. Aber dazu braucht man eben mehr als 140 Zeichen – und vor allem das Interesse und die Aufmerksamkeit des Zuhörers/E-Mail-Empfängers.

Meine Freunde vom Marketing arbeiten ja nur noch mit einem Satz und dann viele Bildchen. Das wird dann mit Reiz- oder Informationsüberflutung erklärt, der arme Empfänger versteht ja nicht mehr. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass man mich mit „einfachen Dingen“ regelmäßig über den Tisch zieht. Wer auf die Botschaft „Ich bin doch nicht blöd“ reagiert, der macht sich auch die Hose mit der Kneifzange zu.