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Eine Million Jahre

Ich lese also, dass die Bundesregierung bis 2031 ein Endlager für hoch radioaktiven Müll finden will. Das finde ich gut, 57 Jahre nachdem das erste AKW in Deutschland ans Netz gegangen ist. Daher beschließen unsere Volksvertreter das „Gesetz zur Suche und Auswahl eines Standortes für ein Endlager für Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle (Standortauswahlgesetz – StandAG)“. Zufällig höre ich im Fernsehen einen Auszug der Rede der zuständigen Ministerin, in der sie von „…einer Million Jahre…“ spricht.

In diesem Moment zuckt mein ganzer Körper und ich merke, wie die Aggression in mir hochsteigt. (Das habe ich öfter, wenn ich dämliche Statements meiner Mitmenschen höre und diese ohne sofortige Möglichkeit der Gegenwehr ertragen muss.) Sofort suche ich also das entsprechende Gesetz und lese tatsächlich im §1 den Satz:

Ziel des Standortauswahlverfahrens ist, in einem wissenschaftsbasierten und transparenten Verfahren für die im Inland verursachten, insbesondere hoch radioaktiven Abfälle den Standort für eine Anlage zur Endlagerung nach § 9a Absatz 3 Satz 1 des Atomgesetzes in der Bundesrepublik Deutschland zu finden, der die bestmögliche Sicherheit für einen Zeitraum von einer Million Jahren gewährleistet.

Reflexartig suche ich nach dem Begriff Homosapiens um zu erfahren, seit wann es Menschen gibt – Antwort: 200.000 Jahre. Da beschließen also Menschen, die es erst seit kurzer Zeit auf diesem Planeten gibt, innerhalb von knapp 360.000 Quadratkilometer (Deutschland) ein Endlager zu finden, welches für eine Million Jahre sicher ist.

Ist das Dummheit, oder sind diese Volksvertreter wirklich so arrogant? Sie können weder Gezeiten, noch das Wetter oder Erdbeben kontrollieren – geschweige denn ihr eigenes Dasein. Oder wollen uns diese Volksvertreter schlicht verarschen? Aber wahrscheinlich meinen die das wirklich ernst, schließlich haben sie ja auch beschlossen, die Temperatur auf dem Planeten Erde zu steuern.

Herr, lass Hirn vom Himmel regnen…