Alle Gesellschaft IT Politik

Es wird Zeit Farbe zu bekennen…

Ich vermute es liegt daran, dass ich Anfang der 1970er Jahre zur Schule ging und sozialisiert wurde. In meinem Kopf gab es ein irgendwie verstecktes Gesetz, worüber ich aber auch nie wirklich nachgedacht habe. Menschen mit „Parteibuch“ gehen gar nicht. Sicher, ich gehe seit 30 Jahren zur Wahl und ich wähle seit 30 Jahren die FDP und habe nie einen Hehl daraus gemacht. Aber einer Partei beitreten, das war immer ein No-Go. Ich habe Christian Lindner Ende 2010 eine „Bettel-E-Mail“ geschrieben, in der ich ihn beschwor nicht aufzugeben. Ein Jahr später hat er aufgegeben und ist als Generalsekretär zurückgetreten. Und es passierte das, was ich befürchtet hatte. Die FDP ist an die Wand gefahren.

Es hat sich etwas verändert.

Die Partei, dessen Wertekanon dem meinen entspricht, hat sich personell, stilistisch und programmatisch erneuert. Christian Lindner und viele andere haben sich dem Spott und der Arbeit gestellt und der Partei ein neues Gesicht gegeben. Anfangs konnte ich das nicht sehen – aber plötzlich war die FDP dort, wo ich bin – Online, im Netz. Über Jahre habe ich das beobachtet. Irgendwann habe ich den Wunsch verspürt zu helfen. Und dann, mal wieder an einem Sonntagnachmittag im Gespräch mit meinem alten Herrn sagte dieser: „Eigentlich müsste man die irgendwie unterstützen“. Das von einem Mann, der seit gefühlten 100 Jahren die CSU wählt?

Ohne unsere „Regierungen“ zu informieren beschlossen wir dann, einer Partei – der FDP – beizutreten. Jetzt sind wir Parteimitglieder. Holla die Wald-Fee. Ich habe ein Parteibuch….!

Naja, ganz so schnell ging es nicht. Ich habe wochenlang gehadert und mit mir diskutiert. Als Unternehmer mit 16 Stunden Tagen 7 Tage die Woche, kann ich nicht Straßenwahlkampf machen, oder zu Parteitagen gehen. Letztlich bin ich den Schritt doch gegangen – es geht darum, „Farbe zu bekennen“. Und dann habe ich mir die Zeit genommen (gestohlen) und bin zu einem Vortag von Christian Lindner nach Fürstenfeldbruck gefahren. Und da stellt sich dieser Typ, der fast 15 Jahre jünger ist hin und sagt an die Adresse der „Jüngeren“ im Publikum: „Die Zeit der parteipolitischen Neutralität ist vorbei!“ Recht hat er. Das gilt auch für mich.