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Microsoft – oder der Untergang des Römischen Reiches

Als IT-Dienstleister habe ich mich in über 30 Jahren Berufstätigkeit daran gewöhnt – oder gewöhnen müssen, dass ich Erfüllungsgehilfe eines Konzerns bin. ….sind wir das, also Erfüllungsgehilfen, nicht irgendwie alle?

Bisher hatte ich kein Problem damit, schließlich basiert meine verkaufte Leistung zum großen Teil auf der Technologie von Microsoft. Und wenn man ehrlich ist, war das bisher von Microsoft abgelieferte Werk auch nicht schlecht.

Seit kurzer Zeit habe ich aber ein Problem. Microsoft will sich vom Softwarehersteller zum Dienstleister des Endkunden transformieren. Die Konzernstrategie will mich als Erfüllungsgehilfen also überflüssig machen und meine Kunden demnächst selbst bedienen.

Nun soll man bitte nicht meinen, ich wäre persönlich betroffen oder irgendwie beleidigt. Ich bin bald „fertig“ und habe weder Ambitionen ein Gutmensch oder Gewerkschafter zu werden, noch kann und will ich die Welt oder gar Microsoft verändern.

Es tut mir nur unendlich Leid für die ganzen Mitarbeiter dieses Konzerns, die sich demnächst einen neuen Job suchen müssen.

Und das kommt so…

1.       Die angestrebte Transformation ist ungefähr so, als wenn der Vorstand von RWE entscheidet zukünftig Stromkabel in Einfamilienhäusern zu verlegen. Es wäre für einen Architekten auch recht überheblich anzunehmen, dass er im Stande ist eine gerade Wand zu mauern.

2.       Microsoft hat keine Ahnung von den Bedürfnissen zahlender Endkunden, auch und gerade deshalb, weil der Konzern irrigerweise glaubt diese Kenntnisse zu haben. Da helfen auch die fast täglich abgefeuerten Kundenzufriedenheitsumfragen und Marketingkampagnen von ebenso abgehobenen Spezialidioten nicht.

Nun, es wird Microsoft also so ergehen, wie dem Römischen Reich. Egal ob Transformation, also ein Wandlungsprozess, oder moralischer Verfall, sprich Dekadenz – sie demontieren sich selbst. Freilich dauert das eine Weile – es gibt ja de facto keine Alternative zu Windows, Office & Co.

Aber die Arroganz eines Marktführers ruft Alternativen auf das Spielfeld. Ich kann nur hoffen, dass es demnächst einen Paukenschlag gibt. Und damit meine ich nicht die „Pseudo-Kostnix-Linux-Gemeinde“, sondern ein Startup mit der Vision Geld zu verdienen. Dann braucht es nur noch einen Elon Musk oder einen Richard Branson und Microsoft ist obsolet. Leider ist damit auch schon gesagt, dass eine solche Geschichte nicht in Deutschland oder Europa passiert. Wir sind ja ebenfalls dekadent und überlassen das Politikern.